Was bedeutet «Contrapposto»?
Der Kontrapost (von ital. contrapposto Gegensatz) ist ein Gestaltungsmittel in der Bildhauerei. Er bezeichnet den Wechsel von
Stand- und Spielbein einer menschlichen Figur zum Ausgleich der Gewichtsverhältnisse. Das Becken tritt dabei aus der senkrechten
Körperachse. Der durch die daraus resultierende Gewichtsverlagerung einsetzende Hüftschwung mit der Schieflage des Beckens in
der Balance ist ebenfalls symptomatisch für das Spiel mit den Gegensätzen Ruhe - Bewegung, Spannung - Entspannung, Hebung - Senkung,
die letzten Endes zu einem homogenen Ausgleich führen.
Das Motiv des Kontraposts wurde erstmals von klassisch-griechischen Bildhauern, darunter vor allem Polyklet, eingeführt.
Gegenüber den eher statisch wirkenden Skulpturen früherer Epochen gelang es mit dem Kontrapost, zugleich Last und Unbeschwertheit,
Ruhe und Bewegung sowie Gebundenheit und Freiheit des menschlichen Körpers auszudrücken. In mittelalterlichen Skulpturen ist der
Kontrapost nur selten vorhanden. Erst in der Renaissance wurde das Motiv von den Künstlern wieder aufgegriffen; unter ihnen an
erster Stelle von Donatello und dann von Michelangelo. Seitdem wird es auch von Malern in ihren Gemälden verwendet.
Warum also «Contrapposto»?
Wir übertragen den Kontrapost als Gestaltungsmittel in die Musik. So spielen auch wir mit den Gegensätzen (forte - piano,
presto - lento, rallentando - accelerando, grave - vivo usw.) die letzten Endes zu einer spannungsvollen und musikalischen Interpretation führen.
Der im Kontrapost einsetzende Hüftschwung mit der Schieflage des Beckens soll Sinnbild sein für die Leichtigkeit unserer
Darbietungen und für die spürbare Spielfreude.
|
Beispiel für den Kontrapost:
Michelangelos David
(fertiggestellt 1504)
|